Inspiratorisches Muskeltraining bei COVID-19 und Long COVID

Eine COVID-19-Erkrankung kann bei manchen Menschen länger anhaltende Beschwerden verursachen. Dazu können unter anderem Atemnot, eingeschränkte körperliche Belastbarkeit und ausgeprägte Müdigkeit gehören. Bei schwereren Verläufen können auch die Atemmuskulatur und insbesondere das Zwerchfell beeinträchtigt sein.

Dadurch ist das Interesse an der respiratorischen Rehabilitation und an gezielten Atemtrainingsmethoden gestiegen.

Eine mögliche Komponente eines individuell abgestimmten Rehabilitationsprogramms ist das inspiratorische Muskeltraining (IMT). Dabei wird die Einatemmuskulatur gezielt gegen einen Widerstand trainiert. Ziel ist es, die Kraft und Belastbarkeit der Atemmuskulatur zu verbessern.

Was ist inspiratorisches Muskeltraining?

Beim inspiratorischen Muskeltraining atmet die Person gegen einen definierten Widerstand ein. Dadurch wird die Einatemmuskulatur stärker gefordert als bei einer normalen, unbelasteten Atmung.

Zu den wichtigsten Atemmuskeln gehört das Zwerchfell. Unterstützt wird es unter anderem von den Zwischenrippenmuskeln und weiteren Atemhilfsmuskeln.

POWERbreathe-Geräte wurden speziell für das inspiratorische Muskeltraining entwickelt. Je nach Modell kann der Trainingswiderstand individuell angepasst werden.

Ein typisches Trainingsprogramm besteht beispielsweise aus zwei Trainingseinheiten pro Tag mit jeweils 30 Atemzügen. Die konkrete Trainingsbelastung sollte sich jedoch am jeweiligen Gerät, Trainingsziel und individuellen Leistungsniveau orientieren.

Welche Rolle kann IMT in der respiratorischen Rehabilitation spielen?

Inspiratorisches Muskeltraining ist seit vielen Jahren Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen und wird in unterschiedlichen Bereichen der Rehabilitation eingesetzt.

Nach einer schweren Erkrankung, längerer Immobilität oder einem Aufenthalt auf der Intensivstation kann die körperliche Leistungsfähigkeit deutlich reduziert sein. Davon kann auch die Atemmuskulatur betroffen sein.

Ein gezieltes Training kann dazu beitragen, die inspiratorische Muskelkraft und -ausdauer wieder aufzubauen. Bei Personen mit eingeschränkter Atemmuskelkraft kann IMT deshalb eine mögliche Ergänzung eines umfassenden Rehabilitationsprogramms darstellen.

Wichtig ist dabei: IMT ist kein eigenständiges Heilmittel gegen COVID-19 oder Long COVID. Die Rehabilitation sollte individuell auf die vorhandenen Beschwerden und die körperliche Belastbarkeit abgestimmt werden.

POWERbreathe in der Rehabilitation

POWERbreathe ermöglicht ein gezieltes Training der Einatemmuskulatur und kann aufgrund seiner einfachen Anwendung auch ausserhalb einer medizinischen Einrichtung eingesetzt werden.

Für medizinisches Fachpersonal stehen Modelle zur Verfügung, mit denen sich die Trainingsbelastung genauer bestimmen und überwachen lässt. Dazu gehört beispielsweise die Orientierung am maximalen Inspirationsdruck (MIP).

Der MIP beschreibt vereinfacht ausgedrückt, wie viel Druck eine Person bei einer maximalen Einatmung erzeugen kann. Dieser Wert kann medizinischem Fachpersonal dabei helfen, eine individuell passende Trainingsbelastung festzulegen und den Trainingsfortschritt zu beurteilen.

Atemmuskeltraining nach einem COVID-19-Aufenthalt im Krankenhaus

Nach einer schweren COVID-19-Erkrankung kann die Rückkehr zur normalen körperlichen Belastbarkeit längere Zeit dauern. Besonders nach einem Aufenthalt auf der Intensivstation können Muskelschwäche und Dekonditionierung eine Rolle spielen.

Diese Veränderungen betreffen nicht nur die Muskulatur von Armen und Beinen. Auch die Atemmuskulatur kann geschwächt sein.

Bereits vor der COVID-19-Pandemie wurde inspiratorisches Muskeltraining unter anderem bei Patientinnen und Patienten untersucht, die nach längerer Beatmung Schwierigkeiten bei der Entwöhnung vom Beatmungsgerät hatten.

Die Forschung zeigt, dass die Atemmuskulatur bei kritisch kranken und länger immobilisierten Menschen geschwächt sein kann. Daraus ergibt sich ein möglicher Ansatzpunkt für die Rehabilitation – allerdings muss das Training an den individuellen Gesundheitszustand angepasst werden.

Was wissen wir über die Atemmuskulatur bei Long COVID?

Bei einem Teil der Menschen bleiben nach einer COVID-19-Erkrankung Beschwerden über längere Zeit bestehen. Neben Müdigkeit und eingeschränkter Belastbarkeit wird häufig auch Atemnot oder das Gefühl beschrieben, nicht ausreichend Luft zu bekommen.

Wissenschaftliche Untersuchungen haben bei bestimmten Patientengruppen nach einer schweren COVID-19-Erkrankung Hinweise auf eine eingeschränkte Funktion der Atemmuskulatur und des Zwerchfells gefunden.

Eine Studie mit Patientinnen und Patienten, die nach einer COVID-19-Erkrankung eine stationäre Rehabilitation benötigten, stellte beispielsweise häufig eine eingeschränkte Zwerchfellfunktion fest. Die Forschenden kamen zu dem Schluss, dass eine neuromuskuläre Schwäche der Atemmuskulatur zu anhaltenden Funktionseinschränkungen beitragen könnte.

Diese Ergebnisse sind interessant, bedeuten jedoch nicht automatisch, dass jede Person mit Long COVID von Atemmuskeltraining profitiert. Dafür sind der individuelle Gesundheitszustand, die Ursache der Beschwerden und die Belastbarkeit entscheidend.

Kann Atemmuskeltraining bei Long COVID sinnvoll sein?

Bei Personen mit nachgewiesener oder vermuteter Schwäche der Atemmuskulatur kann inspiratorisches Muskeltraining ein Bestandteil einer individuell abgestimmten Rehabilitation sein.

Das Ziel besteht dabei nicht darin, die COVID-19-Erkrankung selbst zu behandeln. Vielmehr geht es darum, die Atemmuskulatur gezielt zu trainieren und dadurch möglicherweise die körperliche Belastbarkeit und den Umgang mit Atembelastungen zu unterstützen.

Gerade bei Long COVID ist jedoch Vorsicht wichtig. Nicht jede Form von Atemnot ist auf eine schwache Atemmuskulatur zurückzuführen. Auch andere Faktoren können eine Rolle spielen.

Deshalb sollte vor Beginn eines strukturierten Atemmuskeltrainings insbesondere bei anhaltender Atemnot, nach einer schweren COVID-19-Erkrankung oder bei bestehenden Herz- und Lungenerkrankungen eine medizinische Abklärung erfolgen.

Atemmuskeltraining als Teil eines ganzheitlichen Rehabilitationsprogramms

Eine erfolgreiche Rehabilitation nach COVID-19 kann aus verschiedenen Bausteinen bestehen. Je nach Beschwerden können beispielsweise Bewegungstherapie, Kraft- und Ausdauertraining, Atemtherapie, physiotherapeutische Massnahmen und Strategien zum Umgang mit Belastung miteinander kombiniert werden.

Inspiratorisches Muskeltraining kann dabei einen spezifischen Schwerpunkt setzen: das Training der Einatemmuskulatur.

POWERbreathe kann hierfür eine praktische Trainingsmöglichkeit bieten. Das Gerät erzeugt einen definierten Widerstand bei der Einatmung und ermöglicht dadurch einen gezielten Trainingsreiz.

Fazit

COVID-19 und Long COVID können bei manchen Menschen länger anhaltende Atem- und Belastungsprobleme verursachen. Untersuchungen zeigen zudem, dass insbesondere nach schweren Krankheitsverläufen eine Schwäche der Atemmuskulatur und eine eingeschränkte Zwerchfellfunktion auftreten können.

Inspiratorisches Muskeltraining ist eine etablierte Trainingsmethode zur gezielten Belastung der Einatemmuskulatur. Bei geeigneten Patientinnen und Patienten kann es daher eine sinnvolle Ergänzung eines individuell abgestimmten Rehabilitationsprogramms sein.

POWERbreathe behandelt weder COVID-19 noch Long COVID direkt. Das Training zielt auf die Atemmuskulatur und sollte – insbesondere nach einer schweren Erkrankung oder bei anhaltenden Beschwerden – entsprechend dem individuellen Gesundheitszustand und gegebenenfalls unter fachlicher Begleitung durchgeführt werden.

Wer nach einer COVID-19-Erkrankung unter anhaltender Atemnot, ungewöhnlicher Erschöpfung oder einer deutlichen Einschränkung der körperlichen Belastbarkeit leidet, sollte die Beschwerden zunächst medizinisch abklären lassen.

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